Fast auf den Tag genau vor 15 Jahren, nämlich am 27. November 2009, ist die erste Ausgabe der Kirchenzeitung erschienen. Einer, der damals mithalf, die Kirchenzeitung aus der Taufe zu heben und der bis zu dieser 46. Ausgabe zum Redaktionsteam gehört, ist der scheidende Dekan der Katholischen Kirche in Karlsruhe, Hubert Streckert. Redaktionsleiterin Martina Erhard hat mit ihm über die Anfänge, die bisherige Entwicklung und die Zukunft der Kirchenzeitung gesprochen.
Die Redaktion der Kirchenzeitung im November 2024: Dr. Thomas Schalla, Sabine Baur, Markus Mickein, Susanne Rohfleisch, Hubert Streckert, Martina Erhard, Kira Busch-Wagner und Björn Schmid (von links)
ME: Seit 15 Jahren gibt es die Kirchenzeitung nun schon. Wer waren damals die Initiatoren und wie kam es zu dieser Idee, eine ökumenische Kirchenzeitung zu etablieren?
HS: Der damalige Dekan der Evangelischen Kirche in Karlsruhe, Otto Vogel, war 2007 bei einem ökumenischen Dekanetreffen in Hamburg. Bei dieser Gelegenheit hat er die dortige Kirchenzeitung kennengelernt. Sie wurde ebenfalls von der Katholischen und der Evangelischen Kirche herausgegeben und war eine Beilage im Hamburger Abendblatt. Diese Hamburger Version, die es leider inzwischen nicht mehr gibt, ist allerdings viermal im Jahr erschienen. Otto Vogel war so begeistert und hat uns sofort damit angesteckt. Neben Otto Vogel und mir gehörte damals auch Paul Gromer zu den Mitinitiatoren. Er war Dekan des damaligen Evangelischen Kirchenbezirks Alb-Pfinz.
ME: Auch hier in Karlsruhe sollte die Kirchenzeitung eine Beilage in der Tageszeitung sein. Musste man Überzeugungsarbeit leisten, um die BNN mit ins Boot zu holen?
HS: Nein, überhaupt nicht. Die BNN waren schnell dazu bereit, uns aufzunehmen. Die Idee hat sofort gezündet, und es hat sich ein wirklich gutes Kooperationsprojekt entwickelt.
ME: Was wollte man mit der Kirchenzeitung bewirken?
HS: Von Anfang an stand die Ökumene im Vordergrund. Schon damals haben wir einen Satz geprägt, der auch noch heute unser Motto sein könnte. Er lautet: „Zusammen sind wir besser als wir es allein je sein könnten“. Uns allen war es wichtig, mit kirchlichen Themen und dem christlichen Glauben in eine breite Öffentlichkeit zu gehen. Wir wollten das ganze Spektrum von Kirche zeigen. Dazu gehören eben auch Themen, die mit dem Leben zusammenhängen und die nicht unbedingt nur für besonders fromme Christen interessant sind.
ME: Könntest du da Beispiele nennen?
HS: Wir haben beispielsweise regelmäßig Beiträge zur Kirchenmusik im Blatt. Es geht aber auch immer wieder um die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen oder Altenpflegeeinrichtungen. In der aktuellen Adventsausgabe haben wir auch Texte über nachhaltige Mode oder Weihnachtsmusik im Radio. Themen also, die für eine breite Öffentlichkeit interessant sein können.
ME: Seit 15 Jahren haben sich die Erscheinungstermine – vor dem Osterfest, vor den Sommerferien und vor dem Advent – nicht geändert. Warum sind diese Termine so wichtig?
HS: Ostern und Weihnachten sind die wichtigsten Feste im Kirchenjahr. Wir wollen die Botschaft zu diesen christlichen Festen in ansprechende Themen verpacken. Für die Ferienzeit haben wir uns entschieden, weil man in dieser Zeit vielleicht etwas mehr Muße hat, um sich inspirieren zu lassen. Wir sind ein Medium, das in die Breite geht, weshalb sich jeder angesprochen fühlen darf.
ME: Wie hat sich die Zeitung im Laufe der 15 Jahre verändert?
HS: Wir hatten früher einen großen Veranstaltungskalender im Mittelteil der Zeitung, den wir inzwischen nicht mehr machen. Diese Werbung für eigene Veranstaltungen ist nicht mehr nötig, da sich durch das Internet und durch Newsletter viel verändert hat. Dafür haben wir einige neue Rubriken aufgenommen, etwa die Kinder- und die Jugendseite. Generell haben wir der Kirchenzeitung etwas mehr Struktur gegeben. Natürlich hat sich auch das Redaktionsteam verändert. Ich bin der Einzige, der über 15 Jahre im Team ist.
ME: Hättest du vor 15 Jahren gedacht, dass die Kirchenzeitung eine solche Erfolgsgeschichte wird?
HS: Nein, ehrlich gesagt nicht. Die Dekanatsstruktur hat sich verändert, weshalb auch die Finanzierung der Kirchenzeitung immer eine große Rolle gespielt hat, aber die Öffentlichkeitsarbeit investiert viel in dieses schöne Projekt. Die Kirchenzeitung hat einige Entwicklungsprozesse überstanden und sich im Laufe der Jahre eine richtige Fangemeinde erarbeitet.
ME: Was wünschst du der Kirchenzeitung zum 15. Geburtstag?
HS: Ich wünsche dem kreativen Redaktionsteam viele spannende Sitzungen und einen regen Austausch. Und natürlich wünsche ich mir auch weiterhin viele spannende Themen im Blatt. Ich kann nur hoffen, dass die Dekanate an dem schönen Projekt festhalten.