Früh lernen, "Stopp" zu sagen

- 25.09.2025 - 

In der evangelischen Kita Vogelnest läuft ein mehrwöchiger Gewaltpräventionskurs, in dem Vorschulkinder lernen, sich zu behaupten und auf eigene Grenzen hinzuweisen. Gefördert wird das Angebot durch eine von vier Bezirkskollekten, die in allen evangelischen Pfarrgemeinden gesammelt wird.  

Wenn Kinder verbal oder auch handgreiflich in Konflikte geraten, ist die Frage, wie reagieren? Das fragen sich Erwachsene – und ebenso die Kinder. Oft fehlen ihnen noch die passenden Strategien, um die Konflikte, in die sie geraten, so zu regeln, dass sie nicht eskalieren. 
 
Kinder müssen sich von klein auf behaupten
 
“Kinder müssen sich von klein auf behaupten. Sie müssen ihre Bedürfnisse den Erwachsenen gegenüber deutlich machen, müssen ihre eigenen Grenzen verteidigen und gleichzeitig eine Vielzahl von Erwartungen, die man an sie stellt, erfüllen.” Keine leichte Aufgabe also, die Kinder hier zu bewältigen haben, findet Fachberaterin Sigrid Erbach, die zusammen mit ihrer Kollegin Ulrike Pönisch für die 38 Kindertageseinrichtungen in evangelischer Trägerschaft verantwortlich ist.   
“Die Annahme, dass kleine Kinder nur kleine Sorgen haben, ist schon lange überholt. Diese Herausforderungen können sie nur bewältigen, wenn sie andere Menschen um sich herum haben, die ihnen dabei helfen, Schwierigkeiten zu sehen und sie aus dem Weg zu räumen.” Die Erzieherinnen und Erzieher leisten hier täglich wichtige Arbeit, um die ihnen anvertrauten Kinder zu begleiten und zu stärken.  
 
Darüber hinaus können auch Übungen zur Konfliktprävention dazu beitragen, dass zukünftige Schulkinder so gestärkt werden, dass sie mit solchen Situationen umzugehen lernen. 
 
Eigene Grenzen erkennen und die der anderen respektieren
 
In der Evangelische Kindertageseinrichtung Vogelnest in der Nordweststadt läuft dazu gerade ein mehrwöchiger Kurs. Auf spielerische Art unter fachkundiger Anleitung eines Trainers lernen die Vorschulkinder hier, sich zu behaupten und auf eigene Grenzen hinzuweisen. Da kann auch ein lautes “stopp” mit ausgestreckter Hand helfen, diese Grenze zu markieren. Oder der Satz: “Das möchte ich nicht”, um zu signalisieren: Hier ist für mich eine Grenze, die es zu respektieren gilt.  
 
Selbstvertrauen ist hier das Schlüsselwort. Doch dieses Vertrauen muss geweckt und ständig gestärkt werden. Nicht nur durch Sprache müssen sich die Kinder wehren können, auch durch Gestik und Mimik. Beim “Stopp” achten die Kinder unter den prüfenden Augen des Trainers darauf, dass sie einen stabilen Stand und eine aufrechte Körperhaltung haben.  
 
Die Leitung der Kita Vogelnest, Joel Cardoso, hat das Konzept auf jeden Fall überzeugt. “Es ist einfach wichtig, dass Kinder frühzeitig lernen, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und die der anderen zu respektieren”, sagt Joel Carodoso.
 
Eine von vier Bezirkskollekten finanziert Gewaltpräventionskurs
 
Finanziert wird der Gewaltpräventionskurs durch eine von jährlich vier Bezirkskollekten, die in allen evangelischen Gemeinden in Karlsruhe erhoben wird, erklärt Sigrid Erbach. Über das übliche Kita-Budget sei dies schließlich nicht finanzierbar, sagt sie. Bereits frühere Kurse, z.B. in der Kita in Oberreut, hätten gezeigt, wie wertvoll diese Arbeit ist. Um dieses externe Angebot auch anderen evangelischen Kitas in Karlsruhe anbieten zu können, will die Fachberatung auch im nächsten Jahr wieder einen Antrag an den Stadtkirchenrat um eine Bezirkskollekte stellen, ist sich Sigrid Erbach sicher.